Um ihre Preise für das Anzeigengeschäft zu berechnen, müssen deutsche Verlage die Auflagen ihrer Presseerzeugnisse bei der ‚Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern‘, der IVW, melden. Die aktuellen Zahlen liefern den Verlegern und den von ihnen beschäftigten Journalisten erneut den Beweis dafür, dass mit ihrem Geschäftsmodell etwas nicht stimmen kann.
Im vergangenen Quartal brach etwa das Magazin Der Spiegel verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um mehr als zehn Prozent ein. Das Schlachtschiff aus der Spiegel-Gruppe verkaufte noch knapp 800.000 Exemplare. Den härtesten Verlust mussten Augstein & Co. Beim Verkauf einzelner Exemplare hinnehmen. Fast jedes fünfte Exemplar blieb am Kiosk liegen.
Allerdings können sich die Spiegel-Mitarbeiter damit trösten, dass es ihre wichtigsten Konkurrenten genauso hart trifft. Auch der Focus verkaufte 8,2 Prozent weniger. Das Magazin aus dem Familienunternehmen Burda setzte 63.000 Exemplare weniger im Einzelverkauf ab, was fast ein Viertel des Einzelverkaufs ausmacht.
Beim Stern sind zwar die Gesamtverkäufe rückläufig, allerdings konnten das Hauptmagazin von Grunder&Jahr seine Abos um 7,4 Prozent steigern, in diesen Zeiten eine bemerkenswerte Nachricht. Vor diesem Hintergrund können sich auch die Mitarbeiter des atlantischen Front-Magazins Die Zeit über eine stabile Reichweite freuen.
Nicht anders als den so genannten Nachrichtenmagazinen erging es den überregionalen Tageszeitungen, die sich als Qualitätsmedien verstehen. Die ganz großen Verluste erlebte die Kalte-Kriegspresse aus dem Familienunternehmen Axel Springer. Deutlich nach unten ging es erneut für Die Welt mit einem Minus von mehr als zehn Prozent. Beim Einzelverkauf müssen die Macher des „Qualitätsproduktes“ aus dem Hause Springer brutale minus 43 Prozent hinnehmen.
Auch das Boulevardblatt mit den höchsten Reichweiten, die Bild-Zeitung sank zum zweiten Mal in Folge unter die Marke von zwei Millionen Exemplaren, ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Hier haben sie Werbedienstleister vom IVW sogar noch die Berliner BZ eingerechnet, sonst würde Bild noch schlechter dastehen.
Unter den anderen Tageszeitungen traf es am deutlichsten die FAZ und ihre Sonntagszeitung mit Verlusten von neun bzw. zwölf Prozent. Die Süddeutschen Zeitung verkaufte ebenfalls spürbar weniger Exemplare. Gegen diesen allgemeinen Trend konnte das Handelsblatt um immerhin 1,5 Prozent auf 124.000 Exemplare zulegen, wobei dieses Plus hauptsächlich auf die berüchtigten Bordexemplare zurückgeht, mit denen die Verlage ihre Angaben gegenüber der Werbewirtschaft schönfärben.