Unter Kompromat sind Informationen zu verstehen, die geeignet sind, jemanden mit der Drohung zu erpressen, dass die Informationen veröffentlicht werden. Am Dienstag trat in Belfast erneut der Ausschuss für Historical Institutional Abuse (HIA) zusammen. Die Institution untersucht gegenwärtig Vorwürfe von schwerem Missbrauch im Kincora-Kinderheim in Belfast. Die Vorgänge reichen bis weit zurück in die 1970er Jahre. Damals war Nordirland Schauplatz eines heftigen Bürgerkrieges zwischen der irischen republikanischen Bewegung und den britischen Militärs und Geheimdienstlern.
Nun geht der Untersuchungsausschuss Vorwürfen nach, dass der sexuelle Missbrauch in dem Heim mit einem VIP-Ring zusammenhängt. In diesem Zusammenhang tauchten früh Vorwürfe auf, dass der britische Geheimdienst MI5 von den Vorgängen wusste. Statt gegen die Täter vorzugehen, habe der MI5 sein Wissen benutzt, um die Täter zu erpressen. So hatte bereits im Sommer 2014 der ehemalige Geheimdienstoffizier Brian Gemmell berichtet, dass seine Versuche, gegen den bekannten Missbrauch in dem Kinderheim vorzugehen, von seinen Vorgesetzten verhindert worden seien.
Bevor er den Kincora-Fall habe aufgeben müssen, traf er sogar hochrangige Beamte in einem Hotel in der Buckingham Palace Road. Dort hätten ihn drei Mitglieder des MI5 zu einem bekannten protestantischen Terroristen befragt. Die britischen Sicherheitskräfte stützten sich bei der Aufstandsbekämpfung in Nordirland auf paramilitärische Gruppen. In diesem Fall ging es um John McKeague von der Todesschwadron Red Hand Commandos.
Die MI5-Offiziere hätten entsprechende Filmaufnahmen gehabt, mit dem sie John McKeague erpressten. Später wurden drei Männer wegen des Missbrauchs im Kincora-Kinderheim verurteilt. Darunter befand sich auch der „Hausvater“ des Heimes, William McGrath, ein bekannter protestantischer Extremist und Informant des Geheimdienstes MI5. Die aktuelle Untersuchung soll bis Anfang 2017 einen Bericht zu dem Fall vorlegen.
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